Role Over Matter
2014[English Version]
It is noontime, Philippine television features "POGAY», a daily comedy show about gays. The show nominates the most handsome gay man for "Mr. World Philippines". The woman beside me expresses her preferences and adds, "Sayang bayot sya" (What a waste that he's gay).
Since the Philippines - as the first country in Asia - held a pride march in 1994, it is known to be one of the most "gay friendly" countries in Asia. Thus, by taking a closer look, the image of homosexuality is just tolerated within strictly defined social roles. The roles of gay men reach from entertainment sector, to beauty parlors (or any kind of beauty related business) and carnivalesque celebrations while lesbians are associated with certain kinds of male occupations such as security guard.
A popular belief teached by the Catholic Church says that gay sex is sinful. As Anne Lim, a LBT advocate, puts it: "It's seen as a disease, it's not illegal in the Philippines to be gay but the way it is written. Our family code aligns lesbianism and homosexuality with gambling, prostuting your own child, beating your wifes. It indicates that notion that it's abnormal, that it's a sickness, it's pathologized. Maybe that's also why some men think they are doing us a favor by raping us, they're curing us of our homosexuality."
It might be less visible nevertheless sexual minorities in the Philippines have to deal with tangible injustices. After all, identifying as gay, lesbian, bi or queer is not just a matter of swapping a straight hat for a feather boa. It is a lifelong process of crafting bodies, relationships, and selves.The portrait series introduces different characters from the LGBTIQ scene in the Philippines. The people vary in family background, religion, socio-economic situation, age, sexual orientation, gender identification and gender expression.
Everyone adds a personal story which contributes to the bigger picture of sexual minorities in the Philippines. The story was shot analog with a 6x6 medium format camera in April of 2014.
[Deutsche Textversion]
Es ist Mittag, im philippinischen Fernsehen läuft „POGAY“, eine tägliche Comedy-Show über Schwule. In der Sendung wird der attraktivste schwule Mann zum „Mr. World Philippines“ gekürt. Die Frau neben mir äußert ihre Vorlieben und fügt hinzu: „Sayang bayot sya“ (Wie schade, dass er schwul ist).
Da die Philippinen – als erstes Land in Asien – 1994 eine Pride-Parade veranstalteten, gelten sie als eines der „schwulenfreundlichsten“ Länder Asiens. Bei genauerer Betrachtung wird Homosexualität jedoch nur innerhalb streng definierter sozialer Rollen toleriert. Die Rollen schwuler Männer reichen vom Unterhaltungssektor über Schönheitssalons (oder jede Art von Schönheitsgeschäft) bis hin zu karnevalesken Feierlichkeiten, während Lesben mit bestimmten männlichen Berufen wie dem des Sicherheitsbeamten in Verbindung gebracht werden.
Eine von der katholischen Kirche verbreitete Ansicht besagt, dass homosexueller Sex sündhaft sei. Anne Lim, eine LBT-Aktivistin, drückt es so aus: „Es wird als Krankheit angesehen; auf den Philippinen ist es zwar nicht illegal, homosexuell zu sein, aber so, wie es formuliert ist … Unser Familiengesetzbuch stellt Lesbentum und Homosexualität auf eine Stufe mit Glücksspiel, der Prostitution des eigenen Kindes und der Misshandlung der Ehefrau. Das deutet darauf hin, dass es als abnormal angesehen wird, dass es eine Krankheit ist, dass es pathologisiert wird. Vielleicht denken manche Männer deshalb auch, sie würden uns einen Gefallen tun, wenn sie uns vergewaltigen – sie heilen uns von unserer Homosexualität.“
Es mag weniger sichtbar sein, dennoch müssen sexuelle Minderheiten auf den Philippinen mit greifbaren Ungerechtigkeiten fertig werden. Schließlich ist die Identifikation als schwul, lesbisch, bi oder queer nicht nur eine Frage des Austauschs eines heterosexuellen Hutes gegen eine Federboa. Es ist ein lebenslanger Prozess der Gestaltung von Körpern, Beziehungen und des Selbst. Die Porträtserie stellt verschiedene Persönlichkeiten aus der LGBTIQ-Szene auf den Philippinen vor. Die Menschen unterscheiden sich hinsichtlich ihres familiären Hintergrunds, ihrer Religion, ihrer sozioökonomischen Situation, ihres Alters, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Geschlechtsidentität und ihres Geschlechtsausdrucks.
Jeder trägt mit seiner persönlichen Geschichte zum Gesamtbild der sexuellen Minderheiten auf den Philippinen bei. Die Serie wurde im April 2014 analog mit einer 6x6-Mittelformatkamera aufgenommen.

